Gemeinsam für Morgen

Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise

 

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Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise

Heilbronn  Die Heilbronner Aktion „Gemeinsam für morgen“ motiviert Einzelhändler und hilft ihnen nicht nur digital auf die Sprünge. Experten haben insgesamt elf Firmen genauer unter die Lupe genommen. Vier davon sind Heilbronner Einzelhändler.

Von Bärbel Kistner

Die Corona-Krise setzt viele Selbstständige mächtig unter Druck, betroffen sind auch viele Einzelhändler. In der Zeit der geschlossenen Läden haben digitale Verkaufswege stationärer Händler erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Aktion „Gemeinsam für morgen“ bot Ladenbetreibern deshalb eine willkommene Unterstützung, um die Kommunikation mit ihren Kunden zu verbessern und präsenter zu sein.

100 Experten bieten Know-how

Die Campus Founders um Oliver Hanisch, Stadt Heilbronn und Heilbronner Stimme hatten das kostenfreie Angebot initiiert, um kleineren Firmen gezielt Hilfe zu bieten. Etwa um gerade im Online-Bereich gestärkt durch die Corona-Krise zu kommen. 31 Partnerunternehmen aus der Region hatten die Initiative unterstützt. 100 Experten haben insgesamt elf Firmen genauer unter die Lupe genommen. Vier davon sind Heilbronner Einzelhändler.

 

 

Wolle- und Modegeschäft Wollke

Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise
Ingrid Steimer von Wollke am Kieselmarkt spürt bei der Frequenz, dass sich viele Kundinnen noch nicht wieder in die Stadt trauen. Deshalb bietet das Geschäft jetzt digitale Strickkurse an.Fotos: Mario Berger

Für Ingrid Steimer vom Mode- und Wollegeschäft Wollke kam die Hilfe von außen genau zur richtigen Zeit. „Das war sehr motivierend für uns.“ Das kleine Geschäft hinter dem Rathaus betreibt über die Verkaufsplattform „Mein Heilbronn“ der Stadtinitiative bereits einen Online-Verkauf. „Aber unsere Homepage war nicht sehr kundenfreundlich.“ Dank des Profi-Blicks von außen weiß Steimer jetzt eher, worauf es ankommt.

Die 59-Jährige fühlt sich zwar schon lange fit im Internet und kann ihre Homepage selbst mit neuen Inhalten bestücken. Davon will sie jetzt noch öfter Gebrauch machen. Auch einen Newsletter hat Wollke aufgelegt. „Ich fühle mich fit für die Zukunft und kann gelassen auf die 70 zugehen“, freut sich die Einzelhändlerin.

Internet-Strickkurse

Die Corona-Zeit hat ganz neue Ideen entstehen lassen: Es gibt Internet-Strickkurse über das Chat-Programm Zoom. Der oft nicht mehr ganz jungen Kundschaft Hilfestellung beim Bedienen des PCs zu gegeben, sieht Steimer als Herausforderung. Sie kann sich auch Kaufberatung online vorstellen, wenn Kundinnen wegen Corona den Gang in die Stadt und den Laden scheuen.

Schreibwaren Seel

Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise
Eva Schnepf freut sich über die Impulse der Aktion. Bei Schreibwaren Seel kann man per Videoshopping einkaufen.

Eva Schnepf von Schreibwaren Seel ist ebenfalls total begeistert von „Gemeinsam für morgen“ – und davon, dem Einzelhandel digital auf die Sprünge zu helfen. Die Firma Seel kenne in Heilbronn jedes Kind, die bisherige Onlinepräsenz dagegen nehmen nicht viele wahr.

Homepage nicht mehr zeitgemäß

Die Unterstützung von außen hat Schnepf motiviert, Veränderungen anzugehen. Die sechs Jahre alte Homepage ist nicht mehr zeitgemäß und wird erneuert. „Auch was wir bei Instagramm und Facebook machen, ist verbesserungswürdig.“

Schließlich will Schnepf das sogenannte Dialogshopping ausbauen: Kunden können sich von zu Hause aus während der Öffnungszeiten über Video beraten lassen und das gewünschte Produkt gleich bezahlen. Für Schnepf ist das ein guter Weg, Regionalität und Online-Einkauf miteinander zu verbinden.

Wohnaccessoires Kultiv

Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise
Ulla Winter hat die Zeit der geschlossenen Geschäfte genutzt, um für ihren Laden Kultiv einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Die Unterstützung kam wie gerufen.

Ulla Winter, Inhaberin des Wohnaccessoire-Ladens Kultiv in der Kirchbrunnenstraße, möchte die Erfahrung nicht missen und freut sich über die Motivation in der Krise. Winter war in der Zeit der Schließung sowieso umtriebig: Die erfahrene Einzelhändlerin hat ihr oberes Stockwerk umgemodelt, einen Newsletter entwickelt und einen eigenen Onlineshop aufgebaut.

Die Aktion „Gemeinsam für morgen“ gab dafür den letzten Schliff. Ihr Instagram-Auftritt ist jetzt professioneller. Alleine hätte sie sich manches nicht getraut.

 

Möbelmanufaktur Performa

Einzelhändler gehen gestärkt aus der Krise
Performa in der Hafenmarktpassage setzt auf persönlichen Kontakt. Martin Ric hat nach dem Workshop einen neuen Slogan entwickelt, der bereits an der Türe steht.

Martin Ric von Performa hat Austausch mit den Experten „großen Spaß gemacht“ und seinen Optimismus befördert – obwohl die Corona-Krise massive Auswirkungen hat. Nicht nur der Laden der Möbelmanufaktur in der Hafenmarktpassage blieb wochenlang geschlossen. Für Performa sind auch die wichtigen Möbelmessen 2020 ausgefallen. Über seine Homepage bietet das Unternehmen stattdessen Messerabatt auf Möbel und Accessoires.

Produkte sehen und anfassen

Die wertvollste Erkenntnis für Martin Ric ist jedoch nicht, das Online-Geschäft weiter auszubauen, sondern den persönlichen Kontakt mit Kunden zu stärken, Beratung zu intensivieren und verstärkt Termine vor Ort in der Schreinerei in Bönnigheim anzubieten: „Unsere Produkte will man sehen und anfassen.“ Infolge der Aktion „Gemeinsam für morgen“ hat Ric den Performa-Slogan überarbeitet, der bereits an der Ladentüre steht: „Internationale Designklassiker treffen Möbelstücke aus unserer Manufaktur.“

Hilfe für weitere Firmen in der Region

Zwölf Firmen aus der Region hatten den Zuschlag bekommen, elf waren bis zum Ende dabei. Neben den vier Heilbronner Einzelhändlern profitierte das Ökoweingut Stutz (Heilbronn), Messermanufaktur Ulbrich (Jagsthausen), Metzgerei Wagenblast (Neudenau), FSV Bad Friedrichshall, Weingut Bauer (Heilbronn), Stielsicher Floristik (Jagsthausen), Bierbar Craftelicious (Heilbronn).

Die 100 Experten kamen unter anderem von der Schwarz-Gruppe und Bechtle, von den Hochschulen und Kreativagenturen sowie von Solo-Selbstständigen. Die gespendete Zeit summiert sich auf mehr als 2000 Stunden, das entspricht bei üblichen Beraterhonorarsätzen einem Gegenwert von knapp einer Viertelmillion Euro.

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